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Lesetext Deutsch: Kunitachi – Bahnhof, Stadt – und das japanische Projekt

2021年09月25日(土)


    Seit nun schon mehr als 25 Jahren wohne ich hier in
 der Gegend, und, als ich hierher zog damals, war
    das jetzt wieder aufgebaute spitzdachige Gebäude
    auch noch wirklich der  Bahnhof Kunitachi.
    Als ich den Namen “Kunitachi” zum ersten Mal
   hörte,  klang das  für mich  wie ein uralter Name,
   bei „Kunitachi dachte ich an „Kuni-no- tokotachi-
   no-kami“, den  Gott-der-das Land- begründet“,
   und so  schien mir  „Kunitachi“ eine Stadt zu sein
   mit Wurzeln bis in graue Vorzeit, mythische
   Vergangenheit…

   Nein, sagte man mir, im Gegenteil, Kunitachi, sei
   ganz neu. Als Stadt überhaupt erst 1951 gegründet,
   und der Name „Kunitachi“ – der immerhin nicht
   weniger bedeutet als  „Ein Land,  einen Staat
    begründen“ oder eben wie der Name eines
   Gottes oder Helden  „Begründer des Landes“ ,
   „Stifter des Landes- oder Staates“ – sei einfach
   gebildet aus  den jeweils ersten Zeichen der
   Nachbar-Bahnhöfe Kokubunji und Tachikawa.
    Das  teilte man mir damals lachend mit, und ich
    mag auch gelacht haben…  Nur ganz losgelassen
   hat mich die Sache nicht. Die Erklärung war ganz
    einfach zu banal für einen derart großen Namen.
    Damals erfuhr ich auch, dass Kunitachi  als
    Universitätsstadt nach dem Vorbild der
   deutschen Stadt Göttingen angelegt worden sei.
   In   Göttingen war  ich gewesen.  Aber  inwiefern
   sollte nun Kunitachi an Göttingen angelehnt- oder
   jedenfalls Göttingen ähnlich sein? Damals konnte
   ich darauf keine Antwort finden, und so ließ  ich es
   damit bewenden, wie auch die Frage nach dem
   Namen.   Erst der Entschluss, Deutschland in
   Kunitachi  buchstäblich nachzugehen, gab mir
   Anlass mich mit diesen Fragen wieder zu
   beschäftigen.
   Ich suchte … und alles kam schließlich zusammen,
   als ich einen Artikel aus der  Zeitschrift 東洋経済 von
   2017 las.
   Was ich über die Geschichte Kunitachis berichten
   werde, mögen Japaner vielleicht alles schon wissen,
   aber Japanern, die Deutsch lernen und auch gern
   lernen möchten, über Kultur und Geschichte Japans
   auf  Deutsch zu kommunizieren, wird es als Lese-
   und Hörtext doch sprachlich vielleicht nützlich sein.

   Schon bald, nachdem ich nach Kunitachi kam, fand
    ich eine  Wohnung hinter dem Yabo-Tenmangu bzw.
    Yabo-Tenjin. Dass der Schrein und die Gegend  dort
    wirklich „Yabo“ heißen  und nicht „Yaho“ wie der
    Bahnhof, erfuhr ich schon damals von  den
    Kameraden, die mit mit  mir damals dort Judo
    trainierten, in dem Dojo,von Kunitachi-Judo-  Kai,
    dem Judo-Verein von Kunitachi, das es dort
    damals noch gab.
     Aber der Name des Bahnhofs sollte, beschloss die
     Japanische Reichsbahn „Kokutetsu“, als sie diesen
     bauen ließ, bei gleicher Schreibung „Yaho“ gelesen
     werden, weil „Yabo“ eben auch klingt wie 野暮, das
     Wort für „primitiv“, wie in „yaboten“  das
      „banausenhaft“, “provinziell”  bedeutet.

    Der Name „Kunitachi“ war ursprünglich nur
    Bahnhofsname, als das spätere Stadtgebiet noch
    Wald war und das Dorf noch Yabo-mura hieß.
    Der Bahnhof dieses Namens, von vornherein
    gedacht als Name für eine Stadt, als deren
    Keimzelle der Bahnhof geplant war schon,
    entstand 1926, im ersten Jahr der Aera Showa,
    als nach dem großen Kanto-Edbeben
    von 1923 ein neuer Campus für die zerstörte
    „Tokyo Shoka-Daigaku“ ,die staatliche
    Handelsschule Tokyo, gesucht wurde, und
    um den Campus von Kanda hierher
    verlegen zu lassen  und so aus  „Yabo-mura“
    die  Universitätsstadt Kunitachi zu machen, ließ der
    Immobilien-Gigant „Tsutsumi Yasujiro“, dessen
    Sohn, Tsutsumi  Yoshiaki später bis in die 90-er
    Jahre reichster Mann der Welt sein  würde,
    den Bahnhof erbauen, den er der Reichsbahn
     schenkte.
    Vorher hatten Tsutsumi und sein Stadtarchtekt
    Nakajima Noboru Univesitätsstädte in Europa
    und eben auch Göttingen besucht, aber Tsutsumi
    soll verneint haben, dass Göttingen für Kunitachi
    Modell gestanden habe. Kunitachi sei vielmehr
    damals weltweit  einzigartig bis ins Detail als Ideal-
     Stadt geplant und angelegt worden. Das
     Straßenmuster von Kunitachi  immerhin hat
    Ähnlichkeit mit dem Göttingens, wenn man
    davon absieht, dass die Fujimi-dori und Asahi-
    dort im spitzen  Winkel von der Zentralachse 
     abstreben, wo West- und Ost-Achse
    Göttingens das im rechten Winkel tun.
    Kunitachi ist beeinflusst zweifellos von
    europäischen Universitäts-Städten wie Göttingen .
    Und doch, weil vollkommen künstlich und geplant
   von  Tsutsumi und Nakajima, so verschieden von
    gewachsenen deutschen Städten, wie man sich
    nur eben vorstellen kann.
    Für Tsutsumi und Nakajima sollte der Bahnhof
    Symbol der Stadt sein und als ihr Mittelpunkt die
    Kirche, den Sakralbau ersetzen, der deutschen
    Städten ihre Mitte gab.
    Das Bahhnhofsgebäude wurde in seiner Form so
    entworfen, dass es von vorn dem Grundriss der
    Stadt Kunitachi, also der  Stadt von oben betrachtet
    entsprach. Nun kann auch ein Industrie-Gigant wie
    Tsutsumi alleine keinen Bau vom Ausmaß einer
    Kirche  stiften, wie sie im Zenrum alter deutscher
    Städte  steht. Aber der Name Kunitachi „Staats-
    Begründung“ war enorm, und, wenn  die
    Schriftzeichen von Kunitachi  die Anfangszeichen
    der Namen der Bahnhöfe Kokubunji
    und Tachikawa sind, dann ist das nur die eine
    Hälfte der Erklärung. Denn natürlich war die
    staatliche Handelshochschule Tokyo, die
    heutige Hitotsubashi-Universität, eine tragende
    Säule im Projekt Japan als Land aufzubauen-
    und zumal nach der erst drei Jahre
    vergangenen Erdbeben-Katastrophe
    wiederaufzubauen,  neu aufzubauen!
    Der Bahnhof ist hübsch, und  auf den ersten
    Blick
vielleicht eben nur das.
    Aber, wenn man die Geschichte kennt
    dieses Gebäudes und der Stadt, sind  der
    Name Kunitachi, der Bahnhof  und die Stadt
    viel mehr, sondern stehen für das japanische
    Projekt im Ganzen seit der  Meiji-Zeit.
 

 You Tube Videos: 
 身近なドイツ 国立散歩 Deutschland in Kunitachi

   ドイツ語で買い物 国立市の“木のおもちゃブレーメン”で

 ドイツ語で買い物 国立のベッケライしゅんたで Einkauf bei Bäcker Shunta in Kunitachi
 
    

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